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Die Tulpen-Krise

Spekulations-Blasen gab es schon immer - und wird es immer geben, so lange es einen freiheitlichen Wirtschaftsrahmen gibt. Unser Nachbar Holland erlebte im 17. Jahrhundert ein Schauspiel, das selbst krisengestählten Profis des 21. Jahrhunderts äußerst bizarr vorkommen muss: Den Tulpen-Wahn 

Wenn Sie heute in einen Supermarkt gehen, können Sie einen Strauß Tulpen für 2 bis 3 EUR mitnehmen. Im Europa des 16. Jahrhundert war das schöne Gewächs noch völlig unbekannt. Über das Gebiet der heutigen Türkei (damals Osmanisches Reich) gelangten die ersten Exemplare aus Zentralasien 1560 nach Europa, rund 10 Jahre später wurde sie auch hierzulande angebaut. Die Holländer bekamen ihren eigenen Staat (Republik der Vereinigten Niederlande) erst 1588 und kamen erst kurz vor dem Jahrhundertwechsel in den Genuss der Tulpen, waren aber offenkundig der Schönheit der Pflanzen am hoffnungslosesten erlegen.
Die durch einen regen Ostindienhandel entstandene Oberschicht erfreute sich am
Leben und suchte sich exklusive Spielzeuge und Statussymbole, mit denen es sich angeben ließ (das war damals nicht anders als heute) - und fand sie in den Tulpen. Die anfangs sehr seltenen Zwiebeln wurden zunächst praktisch kaum gehandelt, sie lagerten in den Gärten der Reichen, abgeschirmt vom gemeinen Volke. Unter seinesgleichen zeigte man sich prahlerisch mit den edlen Blumen.
Im Laufe der 30er Jahre des 17. Jahrhunderts änderte sich das: Tulpenzwiebeln wurden zum Spekulationsobjekt, das jedoch nicht an der Börse gehandelt wurde (die Amsterdamer Börse wurde 1608 gegründet), sondern in Wirtshäusern. 1623 kostete eine „Semper Augustus", die damals beliebteste Sorte, 1200 Gulden. Zum Vergleich: Ein Handwerker verdiente im Jahr etwa 300 Gulden, erfolgreiche Kaufleute 20 bis 30 TSD Gulden. Wenig überraschend lockte der Boom Interessenten an, 10 Jahre später war Holland voll mit Tulpenzüchtern, es gab über 500 Sorten. Ein eigener Berufszweig entstand, die Floristen!

Und, da werden Erinnerungen an die Zukunft wach, es entwickelte sich sogar ein Derivatemarkt. Optionen auf Tulpenzwiebeln, und sogar eine Art Futures, und das im Jahr 1633 - da werden sogar die heutigen Entwickler von strukturierten Produkten blass im Gesicht.
Die weitere Anatomie des Tulpenmarktes ist durchaus eine Blaupause für spätere Spekulationsblasen. Die Nachfrage stieg zunächst noch schneller als das Angebot.
Unglaubliche Szenen spielten sich ab - ganze Häuser wurden gegen einzelne Zwiebeln getauscht, und der Terminmarkt begann ein Eigenleben zu entwickeln, losgelöst vom physischen Markt (kommt uns das bekannt vor?)
Ende 1636 bildeten die Tulpen-Charts sozusagen Fahnenstangen aus - die bereits erwähnte Semper Augustus wurde zu 10.000 Gulden gehandelt! Ich verweise nochmals auf das Durchschnittseinkommen - und selbst Topverdiener haben nun also ein halbes Jahresgehalt hingelegt. In heutigen Zahlen gerechnet vielleicht eine Summe von 300 TSD EUR! Für eine einzige Tulpenzwiebel...

Der Crash kommt im Februar 1637. Der Handel kommt auf einmal zum Erliegen, warum genau weiß man nicht verlässlich. Auslöser könnte ein einzelner Tag gewesen sein, an dem kein Geschäft zustande kam. Die Händler geraten in Panik, während potenzielle Käufer sich zurückhalten, da sie ein massives Überangebot erwarten. Innerhalb kürzester Zeit fallen die Preise um 90 bis 95%(!) Die Floristen müssen zum Großteil in ihre alten Berufe zurück, viele Bürger haben ihr Vermögen verzockt...
Den Rest der Geschichte kennen Sie - ein Strauß Tulpen kostet heute 2 bis 3 EUR... und es folgten viele weitere Spekulationsblasen.

Der niederländischen Volkswirtschaft tat die Tulpenmanie keinen großen Schaden an. Das Land war und blieb eine mächtige Wirtschaftsnation. Aber im Wirtschaftsleben kam es zu einer langen Vertrauenskrise. Immerhin fielen reihenweise Handelspartner aus. Das wiederum kommt uns erneut bekannt vor. Geschichte wiederholt sich doch!

Daniel Kühn
Dieser Artikel stammt aus dem TradersJournal 02/09

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